Baustelle: digitaler Notensatz

Da ich mich gerade viel mit dem Thema Musik und Edition beschäftige, und ohnehin schon länger der open-source-Computerwelt verhaftet bin, sei die Gelegenheit benützt, hier eine „Baustelle“ aufzutun, d.h. ein Thema, das keineswegs erschöpfend behandelt werden kann, das aber die Mühe lohnt, sich näher damit zu befassen:
Notensatz und digitale Edition.
Daß es zahlreiche mehr und weniger gute kommerzielle Notensatz-Software gibt, brauche ich hier nicht auszuführen. Die wirklich guten Programme darunter haben längst ihren Nutzerkreis etabliert und bedürfen keiner weiteren Werbung. Was sich dagegen im Land der freien Software abspielt, davon wissen viele entweder nur vom Hörensagen oder schrecken davor zurück, sich ersthaft damit zu beschäftigen, im Glauben, es sei entweder zu kompliziert oder nicht fertig ausgereift.
Aus den vielen laufenden open-source-projekten, die mit Musik und Notation zu tun haben, bin ich seit nunmehr 1 Jahr am meisten mit Lilypond vertraut geworden, ein Notensatzsystem, das sich von der Anwendung am ehesten mit LaTeX vergleichen läßt, dem es z.T. auch nahesteht:
Es handelt sich nicht um ein GUI-Programm, sondern die Noten werden mittels Zahlen- und Buchstabenkürzel bezeichnet und durch verschiedene Befehle, die das Format, das Layout, Partituranodernung etc. betreffen, ergänzt. Dieser code wird durch das Programm, lilypond, verarbeitet, und als fertiges Notenblatt ausgegeben. Vor- und Nachteile dieser Herangehensweise liegen auf der Hand:
Einerseits ist Textcode unübersichtlicher als ein WYSIWYG-Programm, da Stimme für Stimme separat eingegeben wird und die Ausgabe erst das Partiturbild liefert. Dieses Manko wird allerdings durch Editoren mit Vorschaufunktion (für Linux: frescobaldi) behoben.
Ein weiterer Nachteil ist zunächst auch die längere Einarbeitungszeit. Lilypond-Grundkenntnisse zu erlangen ist nicht schwer, doch das Programm vollständig zu beherrschen und das Notenbild bis ins letzte Detail kontrollieren zu können, braucht viel Mühe. Dagegen sei gesagt, daß auch bei GUI-Programmen die Feineinstellungen nur mit viel Erfahrung und Probieren zu optimieren sind.

Soweit ganz kurz und oberflächlich zu der „Sache an sich“ und ihren Eigenschaften. Kernfrage der „Baustelle“ sei folgende:

Läßt sich auch mit lilypond, der wahrscheinlich mächtigsten freien Notensoftware, eine professionelle Notenausgabe erzeugen, die sowohl den Anforderungen von Musikern, Verlagen und wissenschaftlichen Editionsstandards genügen kann?

Im Laufe der Zeit sollen hier möglichst viele Dinge zu diesem Thema gesammelt werden, die den jetzigen „Stand der Dinge“ dokumentieren, und Stärken und Defizite darstellen.

Zum Anfang eine kleine Sammlung von links über lilypond und über Musiker, die dieses Programm professionell anwenden:

unverzichtbar beim Arbeiten – das LilypondSnippetRepository

ein Vortrag zum Thema

das orchestrallily-Paket – eine Erweiterung von lilypond, die das Erstellen größerer Projekte und Editionen erleichtern soll

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s