Zur Person: Pierre Boulez

Pierre Boulez,

geboren 1925 in Montbrison/ Loire. Französischer Komponist und Dirigent.

Aufgewachsen in einer Lehrerfamilie, erhielt Boulez früh eine erste musikalische Ausbildung. Er begann ein Mathematikstudium in Lyon, ehe er 1946 in die Kompositionsklasse Olivier Messiaens aufgenommen wurde. Angeregt durch Messiaens „Etude Mode de valeurs et d´ intensités“ wurde er zu einem der führenden Vertreter des Serialismus, der sich besonders in seinen „Structures“ für 2 Klaviere besipielhaft ausprägt. Angesichts der heftigen Kritik an diesem Werk wandte sich Boulez im Folgenden zunehmend vom seriellen Verfahren ab, um weitere Kompositionstechniken in sein Schaffen zu integrieren. „Le marteau sans mâitre“ (1953) für Ensemble, das seit der Uraufführung als ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts gilt, verbindet die Reihentechnik mit kompositorischen Freiheiten.
Boulez´ Werke kennzeichnen sich durch ihre Verbindung von klaren Konzeptionen und facettenreicher Klanglichkeit. Wichtige Einflüsse empfing er unter Anderem von Pierre Schaeffers Musique concrète, Cages aleatorischen Kompositionen sowie der elektronischen Musik, an deren Fortentwicklung er maßgeblich beteiligt war. Weitere Inspirationsquelle für Boulez´ Musik ist das dichterische Werk Mallarmés, dessen Texte er wiederholt vertonte. Sein Schaffen stellt einen fortlaufenden Prozeß dar, da viele seiner Stücke von ihm wiederholt überarbeitet und neu gefaßt werden. Ein Beispiel hierfür ist der Zyklus „Notations“, zunächst eine Folge von Klavierstücken, die er im Laufe mehrerer Jahrzehnte zu Orchesterwerken umarbeitete.
Seit Ende der 50er Jahre ist Pierre Boulez zudem als Dirigent aktiv. Nach einem späten Karrierebeginn führten ihn zahlreiche Engagements ans Pult fast aller großen Spitzenorchester. Sein Ruf als Dirigent begründete sich dabei vornehmlich auf Interpretationen der Werke des 20. und 21. Jahrhunderts. Beachtung erlangte zudem die als „Jahrhundert-Ring“ gefeierte Aufführung von Richard Wagners Ring-Tetralogie in Bayreuth, sowie seine Einspielungen von Werken Mahlers und Debussys.
Boulez´ Vorrangstellung befähigte ihn, großen kulturpolitischen Einfluß auf sein Heimatland Frankreich auszuüben. 1977 begründete er das Institute de Recherche et Coordination Acoustique/Musique in Paris, das sich der Erforschung elektronischer und akustischer Klangerzeugung und deren Umsetzung widmet. Seit seiner Eröffnung gehört das IRCAM zu den weltweit führenden Institutionen auf dem Gebiet der elektronischen Musik. Ein weiterer Teil von Boulez´ kulturpolitischem Engagement stellt die Gründung des Ensemble Intercontemporain dar, das unter seiner Leitung zu einem der führenden Spezialensembles für zeitgenössische Musik wurde.
1955 erstmals als Dozent zu den Darmstädter Ferienkursen eingeladen, entfaltete Boulez in Folge eine rege Lehrtätigkeit, die sich auch in der Veröffentlichung musik- und ästhetikbezogener Texte niederschlug. 2000 gründete er in Kooperation mit dem Lucerne Festival ein Nachwuchsforum für junge Musiker und Dirigenten, das er seitdem leitet. Boulez´ Vision eines idealen variablen Raums, der dem Komponisten größtmögliche Freiheit und Kreativität ermöglicht (sog. „Salle modulable“), wird derzeit in Luzern mit dem Bau eines neuen Konzertsaales realisiert.
Für sein Gesamtwerk erhielt Boulez zahlreiche Preise, darunter den Polar Music Prize und den Kyoto-Preis.

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