darmstadt@1

Erstmal ein kleiner Nachtrag zu gestern:

Es ging los mit einem „Fest“ für John Cage. Abgesehen davon, daß dieses Jahr schon voll mit Cage-Projekten ist, weil zum Hundertsten jedes mitteleuropäische Kleinorchester den Großen Meister aufführt — was für die vielleicht auch gut ist, weil dann das Publikum und die Orchester wenigstens mal in Kontakt mit etwas Neuerer Musik kommen — habe ich mich wirklich gefragt, warum ausgerechnet in Darmstadt John Cage ein Podest errichtet werden muß. Seine Ideen wirken weiter und sind längst noch nicht alle angekommen im Bewußtsein der Menschen, aber seine Musik, muß man die overandoveragain wiederholen, immer nochmal 4’33“, das Klavierkonzert und den Atlas Eclipticalis? Warum? Das kennt in der Neuen Musik inzwischen jeder. Sinnvoller wäre es vielleicht gewesen, bewußt etwas Vergessenes, Ungewöhnliches aus Cages reichem Oevre zu präsentieren, oder die große Schau bewußt auszusparen. Die Diskussionsreihe „How to perform John Cage“, die hier in den nächten Tage stattfinden wird, wäre doch schon ein guter, ausreichend-angemessener Impuls gewesen, um sich neue Gedanken zu Cages Anstößen zu machen. Cage als akademischer, im erhabenen Konzertsaal weihevoll präsentierter Klassiker paßt eigentlich nicht recht ins Bild des jung-dynamisch-modern-wandelbaren, offenen Darmstadt, als das sich die Ferienkurse heutzutage positionieren wollen.

Ich glaube, wenn Cage dabeigewesen wäre, hätte ich ihm am gestrigen Abend nicht im Konzertsaal, sondern beim Heurigen auf dem Platz um die Ecke getroffen, wie er mit einem Grinsen vor seinem Glas sitzt und die Geräusche des Darmstädter Nachtlebens aufnimmt.

I have nothing to say and I say it …. das war der kleine Lacher des gestrigen Abends bei der Eröffnungsrede. Selten, wenn Politiker selbst zugeben, daß sie mit allen Worten bewußt keine Aussage bezwecken!

Aller Cage-Kritik zum Trotz muss ich noch das Ensemble Modern und die Junge Deutsche Philharmonie erwähnen, die eine solide, mit Liebe im Detail gestaltete, gut ausgearbeitete Version der drei Cage-Opera dargeboten haben.

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