live from… Darmstädter Ferienkurse

Schon ziemlich lange habe ich das nicht mehr gemacht, dieses tagebuchartige Bloggen… aber für die diesjährigen Ferienkurse in Darmstadt habe ich es mir vorgenommen. Angesichts der überbordenden Fülle an Konzerten, Vorträgen und Veranstaltungen tut es gut, sich regelmäßig morgens über dem Kaffe Gedanken zu machen, was am Vortag passiert ist, und was im Kopf hängegeblieben ist.

Los gehts mit Tag Null (gestern):
Wie immer beginnen die Kurse nicht mit dem Eröffnungskonzert, sondern mit der Anreise im Zug. Als ich einsteige, ist es so gut wie menschenleer, doch ich bin sicher, daß innerhalb der fünfeinhalb Stunden Fahrt mehr und mehr Ferienkursler zusteigen werden. Man erkennt sich an den dick gepackten Rucksäcken, den Instrumentenkoffern, dem suchenden Blick auf den Fahrplan — wann müssen wir in Frankfurt umsteigen?
Die erste Herausforderung der Ferienkurse besteht, Monate im Voraus, darin, eine zentral gelegene, günstige Unterkunft in Darmstadt zu finden. Die Zimmernot ist dabei, mit wachsenden Teilnehmerzahlen, in den letzten Jahren immer größer geworden. Geld spielt, gerade bei den vielen jungen Teilnhmern, immer eine Rolle, denn die Kursgebühren sind zusammen mit der Größe der Ferienkurse, von Mal zu Mal gesteigen. Diesmal habe ich Glück und habe eine Studentin gefunden, die über den Sommer günstig ihr WG-Zimmer vermietet. Auch wenn ich nur zwei Wochen bleibe, muss ich trotzdem eine volle Monatsmiete bezahlen, doch ist das letztendlich trotzdem günstiger, als 14 Nächte in einem Hotel oder einer Pension zu verbringen. Viele meiner Bekannten haben sich in der Jugendherberge oder privat einquartiert. Ob es wohl auch welche gibt, die mit dem Wohnmobil zwei Wochen campen? Oder im Auto übernachten? Ich stelle mir heimlich schnarchende Musiker nachts in den Büschen hinter der Musikakademie vor. Was den Faktor „Abenteuer-Ferienlager“ angeht, hat Darmstadt offenbar nichts von dem Charme verloren, den es offenbar schon in den Fünfziger Jahren besessen haben muß.
Betrachtet man meine Reiseausstattung, könnte man auch eher vermuten, ich befände mich auf einer Wandertour als auf einer Kulturreise: Im zum bersten gefüllten Rucksack steckt das Nötigste an Kleidung, Waschzeug, sowie eine Grundausstattung an Eßbarem: Salz, Pfeffer, Reis, Öl, Tee. Taschenmesser, Packtasche, Klappbesteck, ein Geschirrtuch, und eine Taschenlampe sind auch dabei. Täglich zum Essen ausgehen ist teuer, also habe ich beschlossen, so viel wie möglich selbst zu kochen und bei schönem Wetter draußen zu picknicken. Gleich neben der Dose mit den Gewürzen steckt das kleine Stereo-Aufnahmegerät, schwarze Schuhe fürs Konzert und die wasserfeste Windjacke. An Arbeitsgerät habe ich außer meinem Instrument und der Notentasche nur noch einen Notizblock, Kugelschreiber und meinen Laptop dabei. Das muß reichen für die kommenden zwei Wochen!
Obwohl die Kurse noch nicht einmal angefangen haben, ist mein imaginärer Terminplan schon gefüllt mit Plänen. Ein paar vorbereitete Solostücke sind immer mit im Gepäck, dazu etwas Kammermusik. Mit der Anmeldung für eine Workshop sind auf jeden Fall zwei Tage schon voll belegt. Der Rest passiert spontan. Seit es vor zwei Jahren zum ersten Mal das Projekt des „open space“ gab, einen Ort, an dem Teilnehmer in Eigenregie Veranstaltungen, Proben und Workshops organisieren können, ist dieses für mich zur heimlichen Hauptattraktion der Ferienkurse geworden. Wo gibt es schon einen Meisterkurs, an dem selbstorganisiertes Lernen gefördert wird? Diesmal möchte ich selbst den großen weißen Plan des open space mit ein paar Terminen füllen. Bald gehts los!

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