Krieg als Klanglandschaft

Anläßlich des Jahrestages des 1. Weltkriegs habe ich mich mit dem Großen Krieg aus der Perspektive der Sound Studies beschäftigt.

Ja, wir sehens nicht so gern. Die Bilder, die da über den Bildschirm flimmern: Attentäter im Nahen Osten, explodierende Autos, zerrissene Körper, das ganze Blut und Gemetzel. Und alles gefilmt von einem Passanten mit pixeliger Handykamera. Unappetitlich, sowas.
Das ist das eine Gesicht des Krieges. Wir kennen es zur Genüge: Libanon, Irak, Syrien, was war da noch? Einerlei die Schauplätze, die Bilder ähneln sich. Umschalten, wegklicken, abwenden scheint die billigste Reaktion, gelangweilt oder empört, wie es unlängst ein Kommentator im „Standard“ (23.08.2014) auf der Titelseite forderte: „Alles zu zeigen“ vom Krieg sei „totalitär“. Wegsehen ist also Trumpf?
Beim Sehen mag das noch funktionieren. Anders sieht es mit dem akustischen Gesicht des Krieges aus. Selbst wenn wir uns die Ohren zuhalten, überträgt unser Körper Geräusche, Vibrationen. Und auch in einer gut geölten Propagandamaschine gibt es Zwischentöne, Krächzer, Mißklänge, die sich nicht so leicht ungehört, ungeklungen machen lassen.

(Auszug aus: Hinhören und Wegsehen. Krieg als Klanglandschaft. Minoriten Kulturzeitung 2/2014. )

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