Ich höre die Steine, sehe den Klang und lese das Wasser” – Luigi Nonos / Robert Wilsons Prometeo als künstlerischer Übersetzungsprozess im Spannungsfeld zwischen Klang und Choreographie

Es gilt als eines der größten und bedeutendsten Musiktheaterwerke des 20. Jahrhunderts: “Prometeo” von Luigi Nono. 1984 in Venedig in der aufgelassenen Kirche San Lorenzo uraufgeführt, ist es mittlerweile fest verwurzelt im Bühnenkanon. Prometeo trägt den Untertitel “tragedia dell’ascolto” – eine Tragödie des Hörens. Dieser Untertitel hat sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf künstlerischer Seite für Aufsehen gesorgt. Was Sie in einer Aufführung erleben, ist üblicherweise in erster Linie Klang, wie in den einleitenden Minuten. Dennoch wurden in den letzten 30 Jahren immer wieder visuelle Inszenierungen versucht – meist mit gespaltener Reaktion. Die bis heute umstrittenste Inszenierung enstand 1996. Federführend war der amerikanische Regisseur und Choreograf Robert Wilson. Dabei handelt es sich um die bisher einzige choreografierte Prometeo-Realisierung, die im März 1996 am Brüsseler Theater de la Monnaie stattfand.
In einem Vortrag am 18.11.2016 bei der Jahrestagung 2016 der deutschen Gesellschaft für Tanzforschung (GTF) habe ich diese Produktion anhand Archivmaterialien untersucht. Wenn man die Beziehung zwischen Nono und Wilson betrachtet, dann lässt sich diese Aufführung nicht als „eindimensionale Bebilderung“, sondern als gegenseitiger künstlerischer Austausch- und Übersetzungsprozess vom Klanglichen ins Bildliche verstehen.

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